Späne im Keller

Ein Hocker mit gezapften Beinen

2026-07-12 · 4 Min. Lesezeit

Der Hocker war ein lange geplantes Projekt: eine Sitzplatte aus 40 Millimeter Esche, 30 Zentimeter Durchmesser, drei Beine mit konischen Zapfen, die von oben verkeilt werden. Keine Zarge, keine Schrauben. Die Esche stammt aus einem Brett, das seit zwei Jahren im Keller lagerte und mit dem Feuchtemesser 9 Prozent zeigte, was für den Keller erstaunlich trocken ist.

Das Schwierigste waren die Bohrwinkel. Die Beine sollten nach außen gespreizt stehen, 12 Grad gegenüber der Senkrechten, und um 120 Grad zueinander versetzt. Ich habe einen Winkelklotz aus Restholz gesägt und den Bohrer mit einem 25-Millimeter-Schlangenbohrer per Hand daran ausgerichtet. Das erste Loch kam auf 14 Grad, das zweite auf 11, das dritte stimmte. Der Hocker steht trotzdem gerade, weil ich die Beine am Ende auf gleicher Höhe abgesägt habe, aber ein Bein steht sichtbar steiler als die anderen, wenn man es weiß.

Die Zapfen habe ich mit dem Hobel rund gearbeitet, erst achteckig, dann sechzehneckig, dann mit Schleifpapier rund, und mit dem Loch abgeglichen, bis sie sich mit leichten Hammerschlägen hineintreiben ließen. Oben einen Schlitz quer zur Faser der Sitzplatte gesägt, Leim, Bein eingetrieben, Keil aus Eiche hinein. Beim zweiten Bein ist mir der Keil zu stramm geraten, und der Zapfen ist drei Zentimeter weit entlang der Faser gerissen. Ich habe das Bein herausgehebelt, den Riss mit Leim gefüllt, gepresst, am nächsten Tag einen dünneren Keil gesetzt. Man sieht die Linie, aber es hält.

Nach vier Wochen im Wohnzimmer bei 45 bis 55 Prozent Luftfeuchte haben sich die Zapfen oben einen halben Millimeter über die Platte geschoben, das Holz hat sich also etwas bewegt. Ich habe es bündig gehobelt, und seither ist Ruhe. Wackeln tut nichts. Die Sitzhöhe ist mit 45 Zentimetern für den Küchentisch richtig; ich hatte 47 geplant und zum Glück vor dem Absägen probegesessen.

Was ich nächstes Mal anders mache: eine Bohrlehre aus zwei verleimten Brettern bauen, in der der Bohrer wirklich geführt wird, statt sich am Klotz zu orientieren. Und die Keile in der Breite exakt auf die Schlitzbreite hobeln, nicht breiter; ein Keil muss spreizen, nicht sprengen.