Schwalbenschwänze von Hand, der dritte Versuch
Für den Nachttisch brauchte ich eine Schublade, 35 mal 30 Zentimeter, 8 Zentimeter hoch, Front aus Buche 15 Millimeter, Seiten und Rückwand aus Pappel 10 Millimeter. Ich habe mich für offene Schwalbenschwänze an den hinteren Ecken und halbverdeckte an der Front entschieden, obwohl ich wusste, dass das für meinen Stand zu ehrgeizig ist. Dies war der dritte ernsthafte Versuch mit dieser Verbindung; die ersten beiden waren Übungsstücke aus Kiefer, die ich noch habe und die bei jedem Anblick ein bisschen schmerzen.
Der Ablauf, der bei mir funktioniert: Erst die Schwalben am Seitenteil anreißen, mit Streichmaß für die Tiefe (gleich der Brettdicke des Gegenstücks plus ein halber Millimeter) und mit einer Winkellehre aus Sperrholz für die Neigung, 1 zu 6 bei Pappel. Dann sägen, mit einer feinen Rückensäge, wobei ich das Brett im Schraubstock so kippe, dass die Sägelinie senkrecht steht; so sägt man immer senkrecht, auch wenn die Linie schräg ist. Dann das Abfallholz zwischen den Schwalben mit einem schmalen Stemmeisen von beiden Seiten zur Mitte ausstemmen, nie ganz durch, sonst reißt die Rückseite aus.
Das Übertragen auf das Gegenstück ist die Stelle, an der alles entschieden wird. Ich lege das gesägte Seitenteil auf das Hirnholz der Front, fixiere es mit einer Zwinge und einem Anschlagklotz, und reiße mit einem scharfen Messer entlang der Schwalben an. Beim ersten Versuch vor einem Jahr habe ich mit Bleistift angerissen, und die Linie war einen halben Millimeter breit; das erklärt die Spalte von damals. Beim Sägen der Zinken säge ich dann genau an der Linie, auf der Abfallseite, und lasse die Linie stehen.
Das Ergebnis: Die beiden hinteren Ecken passten nach einem Probezusammenstecken mit leichtem Hämmern, mit einem Spalt von vielleicht 0,2 Millimetern an einer Stelle, der nach dem Verleimen mit etwas Druck verschwunden ist. Die halbverdeckten vorne waren schwieriger, weil man die Zinken in die Buche stemmen muss und nicht durchsägen kann; dort ist an einer Schwalbe ein Spalt von einem halben Millimeter geblieben, den ich mit einem dünnen Span aus Buche und Leim gefüllt habe. Von außen sieht man nichts, von innen weiß ich es.
Die Schublade läuft seit dem Einbau auf Wachs, ohne zu klemmen. Was ich gelernt habe: Der Unterschied zwischen Versuch eins und drei liegt nicht in der Säge, sondern im Messer zum Anreißen und in der Geduld beim Stemmen, immer nur einen Millimeter auf einmal.